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Sag NEIN zu Drogen – Sag JA zum Leben? Finger weg!

Das war knapp – beinahe wären meine Familie und ich einem sogenannten Verein für Drogenaufklärung auf den Leim gegangen. Hinter der Fassade eines wohltätigen Vereins verbirgt sich tatsächlich eine Tarnorganisation der Scientology-Sekte.

Im Zusammenhang mit einem Schulprojekt meines Sohnes, waren wir auf der Suche nach Informationen über Marihuana, den Folgen etwaigen Konsums und Drogen im Allgemeinen.

Uns wurde von einem unserer Freunde, mit dem wir über die Aufgabe meines Sohnes sprachen, Info-Material in Aussicht und wenig später auch zur Verfügung gestellt.

Wir waren begeistert – das Material war genau das, was wir noch gesucht haben. Voller Euphorie riefen wir die auf dem Material abgedruckte URL auf: sag-nein-zu-drogen.de

Dort bestand die Möglichkeit, sowohl kostenloses als auch kostenpflichtiges Info-Material zu bestellen. Nach kurzem Überlegen entschieden wir uns, Material als Handout zu bestellen.

Da der Termin des Projekts nah, auf der Webseite von vierzehn und in der Bestätigungs-E-Mail immerhin noch von zehn Tagen Lieferzeit die Rede war, entschlossen wir, anzurufen, um zu erfragen, ob man den Versand beschleunigen könne.

Als ich nun heute das Impressum der zuvor genannten Seite aufrief, traf mich fast der Schlag, als ich in der rechten Spalte der Seite unter dem Punkt Entstehung etwas von Scientology las.

Leider hatte ich mein Anliegen zu diesem Zeitpunkt schon auf den Anrufbeantworter des Vereins gesprochen. Nach kurzer Recherche wurde mir bewusst, dass ich fast Scientology auf den Leim gegangen wäre.

Gerade ich – ich verabscheue diese menschenverachtende Sekte und Profitmaschinerie zutiefst! Sofort stornierte ich meine Bestellung, forderte zur Löschung meiner Daten auf und verbat mir jede Art der Kontaktaufnahme.

Nicht auszudenken, was alles hätte passieren können, wenn mein Sohn Material der Sekte, wenn auch unwissentlich, an Kinder und Lehrer verteilt hätte. Ich bin sehr froh, dass es dazu nicht kam. Wir werden unseren Freund mal ins Bild setzten, mit wem tatsächlich er da Kontakt hatte.

Wer hinter die Maske und in die hässliche Fratze von Scientology sehen möchte, dem sei das Buch der ehemaligen Leiterin der Hamburger Arbeitsgruppe Scientology und obersten Landesjugendbehörde Ursula Caberta Schwarzbuch Scientology (Amazon Affiliate Link) wärmstens empfohlen.

Kein fußbreit den Scientologen!

[Update 2017-10-14] Ergänzend verweise ich auf eine Reportage des Bayrischen Rundfunks:

Von Sven

Hallo, ich bin Sven - in Berlin geborener Wahl-Leipziger, Vater und Nerd. Ich mag das Internet und die Möglichkeiten, die es bietet, Blogs, Podcasts und freue mich auf eure Rückmeldungen. Du findest mich auch auf Mastodon und Twitter.

6 Antworten auf „Sag NEIN zu Drogen – Sag JA zum Leben? Finger weg!“

Oh Gott, erst jetzt wurde mir bewusst, welche Materlialien ich für mein Schulprojekt verwendet habe. Ich wäre niemals auf die Idee gekommen, dass dahinter Scientology steckt. Was mir aber jetzt wirklich sorgen macht ist, dass die meine Daten haben … oh je, nicht gut …

Mal abgesehen davon, dass der Scheiss von Scientology kommt, haben die dort beschriebenen „Fakten“ so rein gar nichts mit der Wahrheit zu tun (zumindest was Cannabis angeht).
Ich weiss nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Es gibt bestimmt genug Leute, die das glauben, was da drin steht.
Viele Grüße
Ein langjähriger aber aufgeklärter Kiffer mit Hochschul-Diplom, Job, Eigentumswohnung und geregeltem Leben.

Bereits auf der 2. Seite dieser „Info-Broschüre“ finden sich 2 Aussagen zu grundlegenden Dingen, die die Kompetenz der Autoren stark in Frage stellen:
1.) Marihuana besteht nicht aus Blüte, Stengel, Blätter und Samen sondern nur aus der Blüte.
2.) Haschisch soll angeblich in der Regel 6 mal so stark sein….völliger Blödsinn. Das in Europa gängige Haschisch ist mit -viel- Glück so potent wie Gras.

Acuh die Aussage auf Seite 11 „THC verändert Zellstruktur von Spermien und führt deshalb zu Impotenz“, sollte einen stark an der Kompetenz der Autoren zweifeln lassen.
Ich möchte an dieser Stelle auf ein offizielles Informationsblatt der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung verweisen. Auch hier finden sich ein paar Vorurteile wieder, aber im Wesentlichen wird hier deutlich objektiver auf die Thematik eingegangen:
http://www.bzga.de/pdf.php?id=7c7cbc14dce490b5179dcfed0bfa7ab9

Hier ein paar Beispiele zusammengefasst (können teilweise im oben genannten Dokument oder auch bei Wikipedia nachgelesen werden)

– keine bleibenden Gehirnschäden
– Auswirkungen während der SChwangerschaft nicht bewiesen
– keine eindeutigen Belege für Einfluss auf Immun- und Hormonsystem oder Menstruationszyklus
– es gibt zwar eine Korrelation zwischen Psychose und Cannabis-Konsum. Eine Kausalität „Cannabis-Konsum führt zu Psychosen“ konnte bisher nicht bewiesen werden.
– nur ein sehr kleiner Teil der Cannabiskonsumenten steigt auf härtere Drogen um
– therapeutischer Nutzen wird nicht erwähnt
– dass THC als Medikament in Deutschland seit 1998 wieder zugelassen ist, wird nicht erwähnt
-THC bleibt nicht nicht wochen und monatelang im Körper, sondern seine nicht-psychoaktiven Metabolite.

Nun ein paar Dinge, die sich nicht in der Broschüre des BZfgA finden:
– Joints werden angeblich mit PCP oder Crack versetzt???…tut mir leid, aber das ist lächerlich.
– Kurzzeitgedächtnis ist nur während des Rauschs beeinträchtigt. Bei langjährigen Hardcore-Konsumenten werden zwar Konzentrationsstörungen beobachtet, wobei auch hier die direkte pharmakologische Kausalität noch nicht bewiesen werden konnte. Die neuseeländische Langzeit-Studie, nach der Cannabis-Konsumenten angeblich „dümmmer“ werden, ist nach ihrem Erscheinen ebenfalls stark in die Kritik geraten.
-angebliche Hirn-Schädigungen…ebenfalls völliger Blödsinn. Es gab in den USA eine Untersuchung (ich glaube irgendwann in den 60/70er), bei denen Ratten so hohen Rauchkonzentrationen ausgesetzt waren, dass sie -Rauchvergiftungen- erlitten. Die anschließende Hirnschädigung ist durch Sauerstoffunterversorgung aufgetreten.
– THC schädigt das Immunsystem: siehe oben.
– die Zahlenbeispiele (62% der „Frühkiffer“ steigen um auf Kokain) sollte man ebenfalls stark hinterfragen und vielleicht mal mit vertrauenswürdigen Quellen vergleichen bzw siehe oben.
-Cannabis in der Schwangerschaft verursacht Leukämie ??!?!?! Ich bitte Sie!
-Herzinfarkt!? Was für ein SChwachsinn….dass der Kreislauf in die Knie geht, von mir aus.
– „Der Lehrer hat uns zum Kiffen verführt“….tut mir leid, aber wer kann sowas ernst nehmen!?
-„Schüler, die Cannabis rauchen, haben schlechtere Noten“….eine doch sehr pauschale Aussage, die Studie dazu möchte ich mal sehen.

Weiterhin ist das (Pseudo-)Quellenverzeichnis der tollen Broschüre jenseits von gut und böse. Da werden nur einige Berichte (ABC News) und Institute/Universitäten angegeben. Allerdings kann kein klarer Bezug zu den in den Broschüren genannten „Studien“ hergestellt werden.

Ich will hier den Cannabis-Konsum nicht als harmlos darstellen. Ich würde mir aber dennoch wünschen, dass insgesamt objektiver mit dieser Thematik umgegangen wird. Diese kleine „Horrorschrift“ von Scientology trägt wohl kaum dazu bei.

Guten Morgen, ich danke dir für deine sehr ausführlichen Kommentare. Ich finde ebenfalls, dass man nie nur eine Informationsquelle zu Rate ziehen sollte.

Drogen und Süchte können auch in meinen Augen niemals harmlos sein.

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